Queer-Theorie und Artverwandtes

Immer häufiger wird im Kreis der schwulen Theologen thematisiert, wie mit der Queer-Debatte umzugehen ist und welche Berührungspunkte mit der schwulen Theologie vorhanden sind oder ausgebaut werden sollen.

One Response to “Queer-Theorie und Artverwandtes”

  1. John-Paul says:

    Stellungnahme zu „Zukunft der Werkstatt“, Werkstatt 2/2007 Seite 291

    1. Ich sehe keine schlüssige oder logische Verbindung zwischen „schwuler“ und „lesbischer“ bzw. „transgender“ Theologie. Nebenbei bemerkt: Nicht die Theologie sei „schwul“, „lesbisch“ etc. sondern der Blickwinkel. Der Versuch, die verschiedenen Minderheitssexualitäten (auch Pädophilie?) unter dem Schlagwort „queer“ zusammenzubringen, verspricht keinen Erfolg. Sie haben nur eins gemeinsam: Den Minderheitsstatus. So würde die Werkstatt zu einem Marktplatz der Interessensvertretungen ohne verbindende Konsequenz. Ich sähe hier keine Aufwertung des Heftes.

    2. Die Schwerpunktthemen unter den Sexualitäten sind unterschiedlich und zum Teil widersprüchlich. Lesben sind vom Ausschluss „selbsterklärter Homosexuelle“ aus dem Priesteramt nicht betroffen. Dagegen sind sie von Geschlechts wegen ausgeschlossen – das sind wiederum Schwule (wenn sie sich benehmen) nicht. Auch die gleichgeschlechtliche Partnerschaft ist bei den Lesben phänomenologisch anders als bei den Schwulen. Hier drückt sich die Unwägbarkeit der heterosexuellen Ehe aus: Eine andauernde gegenseiteige Anpassung. Schwulen schließen einen Lebensvertrag ab, Lesben gehen hinein in ein Lebensverhältnis gerne auch mystischer Art. Das Sakrament der Ehe (thomistisch zum Zeugen von Kindern verzweckt) bedarf einer hier unverwandten Theologie bzw. Hermeneutik.

    3. Die Befreiungstheologie bildet einen dem römischen Lehramt nicht nachvollziehbaren Ansatz. Sie ist dementsprechend unvermittelbar. Sie mag sehr wohl eine gewisse Gemeinsamkeit unter Opferexistenzen darstellen bzw. erst erzeugen doch ist diese Gemeinsamkeit trügerisch. Es geht in der Theologie nämlich nicht um die Existenz (eine Sache der Ontologie) sondern um das ewige Leben, also mit Christus zu sprechen um die Erlösung. Somit sind Theorien der Existenz für die katholische Hermeneutik gegenstandslos. Übrigens: Eckhart, ein frühzeitiger Ontologe, stellt solche Theorien auf genau deswegen, weil er Gott dort herausdefinieren will (Was ist Gott nicht?).

    4. Das Wort „Queer“ ist im deutschen Gebrauch reines Denglisch und somit halbwertzeitig auf die Welt gekommen. Es ist eine bloße Modeerscheinung. Begrifflichkeiten sind in der Hermeneutik zumindest archäologisch signifikant und so wird diese kurzfristige Erscheinung künftigen Forschern verschlossen bleiben. Im englischen Gebrauch hat das Wort die Bedeutung „schwul“. In beschränkten angelsächsischen feministisch-intellektuellen Kreisen hat man es auf neudeutscher Art vereinnahmt, doch ist das als Politikum zu verstehen. Will man also seine Zukunft auf „queere“ Theologie stützen, so baut man phänomenologisch auf Sand. Das heißt: „queere Theologie“ (neudeutsch) ist eine Fata Morgana. Ich rate von der Anwendung des Begriffes in der Forschung ab.

    5. Im Editorial des oben zitierten Heftes heißt es: „Eine Debatte, die die kontroversen Positionen aufeinander bezieht und ihre Gesichtspunkte abwägt, ist daher dringender denn je, soll die WesTh nicht zu einem Sammelplatz der Beliebigkeiten verkommen.“ Das heißt im Klartext: Brennpunkte herausdefinieren, den Fokus erhöhen. Dieses lobenswerte Ziel wird nicht dadurch erreicht, indem man WesTh für die diversesten Minderheitsinteressen aufschließt, ich schätze, im Gegenteil.

    6. „Werkstatt“ deutet auf Handwerkliches, Angewandtes, Praxisnahes. Die Praxis bei unseren Mitchristen (ich bin katholisch) sieht aber im Alltag unterschiedlich aus, die Probleme sind anders gelagert, die Ansätze sind unterschiedlich. In so fern als sie uns unterstützen wollen, die Mauer des römisch-katholischen Lehramts zu überwinden, sind sie willkommene Verbündete. Der Brennpunkt sollte aber m.E. Rom sein und Roms feindselige Pamphlete. Das ist nicht wirklich gelebte Ökumene.

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